Direkt zum Inhalt
Kritik an Ampel-Regierung

Kritik an Ampel-Regierung LSU hinterfragt Bundes- und Landespolitik nach rechtem Aufmarsch beim CSD Bautzen

ms - 12.08.2024 - 07:30 Uhr
Loading audio player...

Die Lesben- und Schwulen-Union, kurz LSU, kritisiert nach dem Aufmarsch von rund 680 Rechtsextremisten beim CSD im sächsischen Bautzen sowohl die Bundes- wie auch die Landespolitik. Werden LGBTI*-Menschen nicht ausreichend geschützt?

Genug Schutz für LGBTI*?

Bundesvorsitzende Sönke Siegmann erklärte so jetzt: „ Es ist unerträglich, dass der CSD in Bautzen aufgrund von Bedrohungen durch Rechtsextreme und Neonazis überhaupt nur unter einem massivem Polizeiaufgebot stattfinden kann und die Abschlussparty aus Sicherheitsgründen abgesagt werden muss. Die Politik muss sich fragen, ob sie im Bund und in den Ländern genug für den Schutz von LSBTIQ* tut.“ In Sachsen selbst regiert Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einem Bündnis zusammen mit SPD und den Grünen. 

„Wir lassen uns nicht vertreiben!“

Am Wochenende waren rund 680 Rechtsextremisten in Bautzen aufgelaufen, um den CSD zu unterbinden. Der Pride selbst konnte nur durch ein massives Polizeiaufgebot stattfinden, rund 1.000 Menschen zogen für die Rechte und Akzeptanz von LGBTI*-Menschen durch die Innenstadt. Erst zum zweiten Mal fand der CSD in Bautzen statt, im Jahr zuvor waren rund 350 Teilnehmer gekommen.

„Es ist verdammt cool und wichtig, dass ihr hier seid, weil ihr allen Leuten ein besseres Gefühl gebt. Wir lassen uns nicht vertreiben!“, so Mit-Organisator Jonas Löschau kurz vor dem Start des Demonstrationszuges. Zuvor bereits am Freitagabend hatten die Pride-Veranstalter allerdings die Aftershowparty aus Sicherheitsbedenken abgesagt, die rechtsextremen Gruppierungen Freies Sachsen sowie die Jungen Nationalisten (JN) hatten zwei Gegendemonstrationen angemeldet. 

Rechtsextreme „dulden den Abschaum“ nicht

Vor allem den JN war es am Wochenende gelungen, mehrere hundert zumeist schwarz gekleidete Männer in Bautzen zu versammeln. Das Motto lautete: „Gegen Genderpropaganda und Identitätsverwirrung.“  Zwischendurch musste der CSD-Zug sehr dicht an den rechten Gegendemonstranten vorbei. Online kursieren zudem zahlreiche Videos, die die Rechtsextremisten Parolen brüllend zeigen, unter anderem wird auch eine Regenbogenflagge unter dem Beifall der Menge verbrannt.  Mit Megafonen wurden auch immer wieder verkündet, man dulde es nicht, dass der „Abschaum durch unsere Straße“ läuft, an anderer Stelle war die Rede von „Homopropaganda“. 

Zu nennenswerten Zwischenfällen ist es trotzdem glücklicherweise nicht gekommen, wie Polizeisprecherin Anja Leuschner gegenüber dem MDR erklärte. Die Absperrung der Polizei hielt stand, die Polizei Sachsen war mit einem Großaufgebot an Beamten vor Ort. Das ganze Pride-Wochenende über wurde die Stimmung vor Ort allerdings als sehr angespannt beschrieben. Schlussendlich kam es zu 14 Strafverfahren, sieben Ordnungswidrigkeiten und 16 Platzverweisen.

Die Bundespolizei war außerdem aufgrund der An- und Abreise von CSD-Teilnehmern auch auf den Zugstrecken in der Region verstärkt im Einsatz, um mögliche Gewalttaten zu unterbinden. Am Hauptbahnhof in Dresden mussten die Beamten so am Samstagmittag 150 linke und 50 rechte Aktivisten voneinander trennen. 

Angriff auf Freiheit und gleiche Rechte

Die sächsische Justizministerin Katja Meier erklärte, es mache sie fassungslos, dass die CSD-Party aufgrund der angespannten Sicherheitslage abgesagt werden musste. „Hass und Hetze gegen queere Personen sind Ausdruck menschenfeindlicher Ideologien, die keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.“ Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, schrieb über X: „Wenn Rechtsextreme gegen CSDs mobil machen, dann greifen sie das an, wofür unsere Demokratie steht: Freiheit, gleiche Rechte und Selbstbestimmung.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

30 Jahre "Day of Silence"

Mobbing von LGBTIQ+-Schülern

Der "Day of Silence" feiert in den USA 30-jähriges Jubiläum und soll den Fokus auf das Mobbing von LGBTIQ+-Schülern richten.
Bunter Widerstand in Miami

Regenbogen aus Pflastersteinen

Miami rebelliert mit einem Regenbogen aus Pflastersteinen im Park gegen die skurrilen Verbote von Floridas Gouverneur DeSantis.
Neues Verbot im Profisport

Dart-Verband sperrt trans* Frauen

Der größte Dart-Verband PDC hat jetzt trans* Frauen von Frauenwettkämpfen ausgeschlossen und betont geschlechtsspezifische Unterschiede.
Dating-Masche in der Schweiz

Hohe Haftstrafen für Kriminelle

Zwei junge Männer wurden in der Schweiz jetzt zu hohen Haftstrafen verurteilt, sie hatten schwule Männer bei vorgetäuschten Dates brutal ausgeraubt.
Neues Verbot in Russland

Menschenrechtsorganisation Memorial

Ein russisches Gericht hat jetzt die bekannte Menschenrechtsorganisation Memorial verboten; der Verein setzte sich auch für LGBTIQ+ ein.
Hassverbrechen in Bremen

Verdopplung Angriffe auf LGBTIQ+

In Bremen haben sich die Fälle von Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen binnen eines Jahres verdoppelt, wie Innensenatorin Högl jetzt mitteilte
Mpox in Berlin

Deutliche Zunahme der Fallzahlen

Die Zahl der Mpox-Fälle in Berlin steigt weiter rapide an, in der Mehrheit der Fälle handelt es sich dabei um die gefährlichere Virusvariante Klade Ib
Festnahme Marla Svenja Liebich

Polizei spürt Rechtsextremistin auf

Die Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich konnte jetzt nach monatelanger Fahndung in Tschechien von der Polizei festgenommen werden.
Kirche gerät unter Druck

Olaf Latzel bereits verurteilt

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) startet die Evangelisationswoche trotz Kritik mit einem queerfeindlichem Pastor.